Moderne Arbeitswelt? Freier Dienstvertrag & co.

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Moderne Arbeitswelt? Freier Dienstvertrag & co.

Unsere Arbeitswelt wird moderner und flexibler, und damit ändern sich auch die typischen und altbekannten Formen der Beschäftigung. Wo früher ein Leben lang der Vollzeitvertrag üblich war, sind heute Teilzeitbeschäftigung, Nebenjobs und Praktika am Vormarsch.

Wir erklären, was es mit dem freien Dienstvertrag auf sich hat, was man bei mehreren Beschäftigungen gleichzeitig beachten muss und vieles mehr.

DER FREIE DIENSTVERTRAG

Der freie Dienstvertrag unterscheidet sich vom „normalen“ Arbeitsvertrag dadurch, dass die persönliche Abhängigkeit nicht gegeben ist. Das bedeutet, der Arbeitnehmer ist nicht an die Weisungen oder an bestimmte Arbeitszeiten gebunden und es fehlt die Einordnung in die betriebliche Ablauforganisation.

BEISPIEL: ein Rechtsanwalt hält neben seiner Angestelltentätigkeit Fachvorträge an einer Fachhochschule. Seine Arbeitszeiten sind individuell vereinbar und im Falle eines Verhinderungsgrundes kann er einen passenden Ersatz schicken.

Für freie Dienstnehmer gilt die Geringfügigkeitsgrenze (2017: € 425,70 monatlich). Verdient der freie Dienstnehmer unter dieser Grenze, entsteht nur eine Teilversicherung in der Unfallversicherung, für die der Arbeitgeber Beiträge leisten muss. Verdient man als freier Dienstnehmer über dieser Grenze, entsteht hingegen Vollversicherungspflicht. Das bedeutet, man ist kranken-, unfall- und pensionsversichert und muss Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

HINWEIS: Verdient man als freier Dienstnehmer über längere Zeit hinweg unter der Geringfügigkeitsgrenze (z.B. als Student neben der Ausbildung), so kann man eine freiwillige Selbstversicherung bei der Gebietskrankenkasse abschließen. Diese führt zu einer Versicherung in der Pensions- und Krankenversicherung. Der Vorteil dabei ist, dass hierbei keine Versicherungszeiten für die spätere Pension „verloren“ gehen. Diese nachzukaufen kann nämlich sehr teuer werden!

SOZIALVERSICHERUNGSBEITRÄGE

Wenn die Einnahmen aus einem freien Dienstverhältnis über der Geringfügigkeitsgrenze liegen, zieht der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge ab. Angenommen, Sie sind angestellt und arbeiten zusätzlich als freier Dienstnehmer: In diesem Fall ist die Summe aller Einnahmen entscheidend. Wenn das Entgelt aus dem freien Dienstverhältnis unter der Geringfügigkeitsgrenze liegt, die Summe Ihrer Einnahmen aber darüber, werden die Sozialversicherungsbeiträge erst nachträglich von der Gebietskrankenkasse vorgeschrieben. Sie müssen sich also nicht bei der Gebietskrankenkasse melden.

BEISPIEL: Der Rechtsanwalt erhält für die Fachvorträge an der FH im Monat 365 Euro. Für diesen Zuverdienst bekommt er nachträglich von der Sozialversicherung Beiträge in Höhe von 14,12 % der jährlichen Beitragsgrundlage der geringfügigen Beschäftigung vorgeschrieben.

MEHRERE BESCHÄFTIGUNGEN

Mit dem Konkurrenzverbot ist geregelt, ob eine Nebenbeschäftigung erlaubt ist oder nicht. Dieses Verbot gilt während des aufrechten Dienstverhältnis; im Gegensatz zur Konkurrenzklausel, welche erst NACH Beendigung des Dienstverhältnisses wirkt. Das gesetzliche Konkurrenzverbot untersagt gewisse Nebentätigkeiten. Zusätzlich können vertragliche Nebenbeschäftigungsverbote vereinbart werden. Diese sind im Einzelfall zu überprüfen.
In jedem Fall ist es für Angestellt untersagt, im selben Geschäftszweig des Arbeitgebers auf eigene oder fremde Rechnung Handelsgeschäfte abzuschließen. Darüber hinaus ist es verboten, zusätzlich ein selbstständiges kaufmännisches Unternehmen zu betreiben, auch wenn es sich dabei um einen anderen Geschäftszweig handelt.

AUSNAHME: der Arbeitgeber stimmt ausdrücklich zu. In dem Fall empfiehlt es sich, diese Zustimmung schriftlich einzuholen, um späteren Missverständnissen oder Streitigkeiten vorzubeugen. Hat man kein Einverständnis und der Arbeitgeber erfährt von dem unzulässigen Nebenjob ist das Grund für eine Entlassung. (Am Rande erwähnt: Die sogenannte „Schwarzarbeit“ ist natürlich auch verboten. Man spricht von einem „abträglichen Nebengeschäft“.)

STEUERLICHE AUSWIRKUNGEN

Hat man mehr als nur ein Arbeitsverhältnis, gibt es einige Dinge hinsichtlich Steuer und Sozialversicherung zu beachten. Wenn alle Arbeitsverhältnisse unter Geringfügigkeitsgrenze liegen, wird die Sozialversicherung gleich von den laufenden Bezügen abgezogen. Wenn nicht kommt es zu einer Nachverrechnung.

GUT ZU WISSEN: Die geringfügige Beschäftigung ist ein Begriff, den es nur im Sozialversicherungsrecht, nicht aber im Steuerrecht gibt. Für die Berechnung der Steuer ist deshalb auch nur wichtig, ob es sich bei einer geringfügigen Beschäftigung um ein Arbeitsverhältnis oder um einen freien Dienstvertrag handelt.
Arbeitnehmer mit mehr als einem Arbeitsverhältnis und einem steuerpflichtigen Jahreseinkommen von insgesamt über 12.000 € sind verpflichtet, bis zum 30.9. des folgenden Jahres eine ArbeitnehmerInnenveranlagung beim Finanzamt einzureichen (=Pflichtveranlagung).

ACHTUNG: Sie bekommen Pension und möchten etwas dazuverdienen? Je nachdem, welche Pension Sie beziehen (Witwenpension, Berufsunfähigkeitspension etc.) gibt es unterschiedliche steuerliche Auswirkungen. Informieren Sie sich daher vorab ausreichend, um spätere teure Nachzahlungen zu vermeiden!

 

Informationen dazu und weitere Beispiele können Sie hier und auf der Seite der österreichischen Arbeiterkammer nachlesen.

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Tabuthema psychische Erkrankung

Liest man in diversen Schlagzeilen vom Suizid berühmter Persönlichkeiten aufgrund psychischer Krankheiten, gibt sich die Allgemeinheit sehr betroffen. „Oh nein, hätte die Person doch etwas gesagt, man hätte ihr sicher helfen können!“ sind Standardreaktionen. Wie kommt es dann, dass psychische Krankheiten im privaten Bekanntenkreis schnell mal als übertrieben abgetan werden, oft verbunden mit der Aussage „der soll sich mal zusammen reißen und nicht so anstellen“? Leider ist dieses Thema nach wie vor ein Tabu. Gerade heutzutage sollten Betroffene aber mit Verständnis und Akzeptanz – auch und vor allem am Arbeitsmarkt – begegnet werden.

In Österreich leidet jede*r Zehnte unter psychischen Problemen. Die Anzahl dieser Erkrankungen wird immer mehr und ist mittlerweile ein sehr häufiger Grund für Arbeitsunfähigkeitspensionen. Das bedeutet, Handlungsbedarf ist auf jeden Fall gegeben. Die Arbeiterkammer rechnet vor, dass in Österreich bereits mehr als ein Drittel aller vorzeitigen Pensionen wegen Berufsunfähigkeit auf psychische Krankheiten zurückzuführen sind. Besonders drastisch sei die Lage bei Frauen. Hier werde sogar jede zweite Zuerkennung einer Invaliditätspension mit einer psychischen Erkrankung begründet, heißt es. Genauere Gründe hierfür werden nicht genannt. In Studien zu geschlechtsspezifischen Aspekten von Burnout ist allerdings häufig die Mehrfachbelastung, der viele Frauen ausgesetzt sind, angeführt.

Die Wahrscheinlichkeit, jemanden mit psychischen Problemen in seinem näheren Umfeld zu kennen, ist also sehr hoch. Sogar die Wahrscheinlichkeit, in seinem Leben selbst mindestens einmal psychisch zu erkranken, ist sehr hoch. Zum Beispiel ist jeder Fünfte mindestens einmal in seinem Leben von Depressionen betroffen. Depressionen zählen neben dem oben genannten Burnout zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Das Schwierige bei psychischen Erkrankungen ist, dass man sie nicht auf Anhieb erkennt. Eine gebrochene Seele ist nicht vergleichbar mit einem gebrochenen Bein. Das ist einerseits ein Problem für Betroffene – sie fühlen sich oft hilflos, unverstanden bzw. versuchen ihre Krankheit so lange wie möglich zu verbergen. Anderseits kann es auch für die Umgebung zum Problem werden, und zwar dann wenn nicht erkannt wird, dass es sich bei psychischen Problemen um ein ernstes Thema handelt, welches man mit Charakterschwäche keinesfalls abtun sollte.

„Reiß dich mal zusammen!“

Denn genau das ist der Kern des Problems: in unserer Gesellschaft ist die vorkehrende Meinung von psychisch Erkrankten nach wie vor, dass es sich hier um schwache und übertrieben sensible Personen handle, die sich mal nicht so anstellen sollen. Genau diese Art von Aussagen machen es für Betroffene aber noch schlimmer. Oft kann man dem Unverständnis der Gesellschaft aber auch gar nichts vorwerfen. Denn wie soll man als Außenstehender ein so komplexes Thema nachvollziehen können, wenn sogar Betroffene nicht verstehen können warum sie so antriebslos sind, ständig müde, schlecht gelaunt und – im schlimmsten Fall – sogar von suizidalen Gedanken geplagt werden.

Eine Studie der Arbeiterkammer zeigt, dass Beschäftigte ohne arbeitsbedingte Belastungen nur 0,8 Krankenstandstage aufweisen. 3,3 Tage sind es bei arbeitsbedingten psychische Belastungen und knapp 6 Ausfallstage beim Zusammentreffen psychischer und physischer Belastungen. Dass Präventivmaßnahmen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer helfen könnten zeigen diese Zahlen. Ein schönes Beispiel, wie es in der Zukunft aussehen könnte ging im vergangenen Jahr durch die sozialen Medien:

Veröffentlicht wurde eine Email einer Mitarbeiterin eines US-Unternehmens, die sich 2 Tage für ihre psychische Gesundheit freinehmen wollte.

Die Reaktion ihres Chefs wurde im Internet gefeiert. Bleibt nur zu hoffen, dass solch ein Umgang mit psychischen Krankheiten bald keine Zukunftsmusik mehr ist!

Auch ein interessanter Artikel zum Weiterlesen (inkl. Anlaufstellen am Ende des Artikels): Du solltest in Österreich besser nicht psychisch krank werden, wenn du deinen Job behalten willst.