Tabuthema psychische Erkrankung
30 Jun 2018

Tabuthema psychische Erkrankung

Liest man in diversen Schlagzeilen vom Suizid

30 Jun 2018

Liest man in diversen Schlagzeilen vom Suizid berühmter Persönlichkeiten aufgrund psychischer Krankheiten, gibt sich die Allgemeinheit sehr betroffen. „Oh nein, hätte die Person doch etwas gesagt, man hätte ihr sicher helfen können!“ sind Standardreaktionen. Wie kommt es dann, dass psychische Krankheiten im privaten Bekanntenkreis schnell mal als übertrieben abgetan werden, oft verbunden mit der Aussage „der soll sich mal zusammen reißen und nicht so anstellen“? Leider ist dieses Thema nach wie vor ein Tabu. Gerade heutzutage sollten Betroffene aber mit Verständnis und Akzeptanz – auch und vor allem am Arbeitsmarkt – begegnet werden.

In Österreich leidet jede*r Zehnte unter psychischen Problemen. Die Anzahl dieser Erkrankungen wird immer mehr und ist mittlerweile ein sehr häufiger Grund für Arbeitsunfähigkeitspensionen. Das bedeutet, Handlungsbedarf ist auf jeden Fall gegeben. Die Arbeiterkammer rechnet vor, dass in Österreich bereits mehr als ein Drittel aller vorzeitigen Pensionen wegen Berufsunfähigkeit auf psychische Krankheiten zurückzuführen sind. Besonders drastisch sei die Lage bei Frauen. Hier werde sogar jede zweite Zuerkennung einer Invaliditätspension mit einer psychischen Erkrankung begründet, heißt es. Genauere Gründe hierfür werden nicht genannt. In Studien zu geschlechtsspezifischen Aspekten von Burnout ist allerdings häufig die Mehrfachbelastung, der viele Frauen ausgesetzt sind, angeführt.

Die Wahrscheinlichkeit, jemanden mit psychischen Problemen in seinem näheren Umfeld zu kennen, ist also sehr hoch. Sogar die Wahrscheinlichkeit, in seinem Leben selbst mindestens einmal psychisch zu erkranken, ist sehr hoch. Zum Beispiel ist jeder Fünfte mindestens einmal in seinem Leben von Depressionen betroffen. Depressionen zählen neben dem oben genannten Burnout zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Das Schwierige bei psychischen Erkrankungen ist, dass man sie nicht auf Anhieb erkennt. Eine gebrochene Seele ist nicht vergleichbar mit einem gebrochenen Bein. Das ist einerseits ein Problem für Betroffene – sie fühlen sich oft hilflos, unverstanden bzw. versuchen ihre Krankheit so lange wie möglich zu verbergen. Anderseits kann es auch für die Umgebung zum Problem werden, und zwar dann wenn nicht erkannt wird, dass es sich bei psychischen Problemen um ein ernstes Thema handelt, welches man mit Charakterschwäche keinesfalls abtun sollte.

„Reiß dich mal zusammen!“

Denn genau das ist der Kern des Problems: in unserer Gesellschaft ist die vorkehrende Meinung von psychisch Erkrankten nach wie vor, dass es sich hier um schwache und übertrieben sensible Personen handle, die sich mal nicht so anstellen sollen. Genau diese Art von Aussagen machen es für Betroffene aber noch schlimmer. Oft kann man dem Unverständnis der Gesellschaft aber auch gar nichts vorwerfen. Denn wie soll man als Außenstehender ein so komplexes Thema nachvollziehen können, wenn sogar Betroffene nicht verstehen können warum sie so antriebslos sind, ständig müde, schlecht gelaunt und – im schlimmsten Fall – sogar von suizidalen Gedanken geplagt werden.

Eine Studie der Arbeiterkammer zeigt, dass Beschäftigte ohne arbeitsbedingte Belastungen nur 0,8 Krankenstandstage aufweisen. 3,3 Tage sind es bei arbeitsbedingten psychische Belastungen und knapp 6 Ausfallstage beim Zusammentreffen psychischer und physischer Belastungen. Dass Präventivmaßnahmen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer helfen könnten zeigen diese Zahlen. Ein schönes Beispiel, wie es in der Zukunft aussehen könnte ging im vergangenen Jahr durch die sozialen Medien:

Veröffentlicht wurde eine Email einer Mitarbeiterin eines US-Unternehmens, die sich 2 Tage für ihre psychische Gesundheit freinehmen wollte.

Die Reaktion ihres Chefs wurde im Internet gefeiert. Bleibt nur zu hoffen, dass solch ein Umgang mit psychischen Krankheiten bald keine Zukunftsmusik mehr ist!

Auch ein interessanter Artikel zum Weiterlesen (inkl. Anlaufstellen am Ende des Artikels): Du solltest in Österreich besser nicht psychisch krank werden, wenn du deinen Job behalten willst.

 

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