Die Angleichung von Arbeitern und Angestellten in Österreich
10 Apr 2018

Die Angleichung von Arbeitern und Angestellten in Österreich

Im österreichischen Arbeits- und Sozialrecht tut sich

10 Apr 2018

Im österreichischen Arbeits- und Sozialrecht tut sich einiges – beschlossene Änderungen werden schrittweise in den Jahren von 2018 bis 2021 in Kraft treten. Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Angleichung von Arbeitern und Angestellten, welche noch vom „alten“ Nationalrat beschlossen wurde. Wir geben euch eine Übersicht, was dies für die Arbeitswelt in Österreich bedeutet.

Im österreichischen Arbeitsrecht wird traditionell zwischen Angestellten und Arbeitern unterschieden, eine Abgrenzung die es in dieser Form in sonst keinem anderen Land gibt. In der Theorie wird folgendermaßen unterschieden: ein Arbeiter leistet manuelle Arbeit, ein Angestellter ist mit höheren kaufmännischen Tätigkeiten beschäftigt. Vereinfacht gesagt arbeitet der eine vor allem mit den Händen und setzt seine Körperkraft ein, der andere mit dem Kopf und setzt seine Geisteskräfte ein. Diese Unterscheidung wurde in der Vergangenheit häufig kritisiert, vor allem weil die Klassifizierungen in der Praxis oftmals Fragezeichen hinterlassen. Die Kassiererin im Supermarkt ist z.B. Angestellte, während der Bediener einer komplexen Produktionsanlage in einer Fabrik hingegen Arbeiter sind. Der größte Kritikpunkt war aber immer, dass Arbeiter in einigen Belangen schlechter gestellt sind als Angestellte.

Die beschlossene Gleichstellung von Angestellten und Arbeitern wird deshalb auch nicht selten als „Meilenstein in der Arbeitswelt“ bezeichnet. Dort wo Arbeiter früher schlechter gestellt waren, soll nun eine zumindest teilweise Angleichung erfolgen. Eine völlige Angleichung hat nicht stattgefunden, da kein einheitlicher Arbeitnehmerbegriff geschaffen wurde. Dies bedeutet, dass z.B. weiterhin getrennte Betriebsräte für Arbeiter und Angestellte bestehen bleiben. Die Änderungen betreffen insbesondere Änderungen der Regeln zur Entgeltfortzahlung (ab 2018) sowie der Kündigungsfristen (ab 2021). Konkret sehen die Neuerungen so aus:

Krankheit

Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall grundsätzlich für alle sechs Wochen betragen und bereits nach einem Dienstjahr auf acht Wochen steigen (statt bisher erst nach fünf Jahren). Bei Angestellten gab es bisher je nach Dauer der Firmenzugehörigkeit unterschiedliche Regelungen. Lehrlinge würden acht statt vier Wochen Lehrlingsentschädigung im Krankheitsfall bekommen.

Dienstverhinderung

Arbeiter sollen von jener Regelung profitieren, wonach auch bei Dienstverhinderung aus persönlichen Gründen (krankes Kind, Beerdigung) Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht. In manchen Kollektivverträgen ist das derzeit bei Arbeitern ausgeschlossen. Die Regelungen zu Entgeltfortzahlungen und Dienstverhinderungen treten bereits am 1.7.2018 in Kraft.

Kündigung

Bei den Kündigungsregelungen wird man die derzeit wesentlich besseren Bestimmungen der Angestellten auch auf die Arbeiter anwenden. Das bedeutet: Die Kündigungsfrist beträgt dann mindestens sechs Wochen (derzeit kann sie bei Arbeitern je nach Kollektivvertrag weniger als 14 Tage betragen). Für langjährige Mitarbeiter würde die Kündigungsfrist aber deutlich länger ausfallen. Nach fünf Dienstjahren sind drei Monate geplant, nach 15 Dienstjahren vier Monate und nach 25 Dienstjahren fünf Monate. Für ältere Arbeiter würde die Änderung also im Kündigungsfall einige tausend Euro Unterschied machen. Diese Regelung tritt ab 1.1.2021 in Kraft.

Ein früherer Blogbeitrag von uns hat sich mit der Unterscheidung von Arbeitern und Angestellten beschäftigt.

Weitere Änderungen im Arbeits- und Sozialrecht ab 2018 könnt ihr hier nachlesen.

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